Unternehmen

25 Juli 2017CARLO DAGRADI

Frener & Reifer bei Apple: ein Stück Südtirol in Cupertino

Betritt man den neuen Apple-Sitz im kalifornischen Cupertino, empfängt einen Südtirol. Na ja, vielleicht nicht persönlich, aber in Form einer Glasfassade von Frener & Reifer aus Brixen, das ähnlich klein angefangen hat wie der Hightech-Riese. Allerdings nicht in einer Garage, sondern in einem Stall.

Eine Erfolgsgeschichte startet – so will es die Legende – in einer Garage. Diese nicht. Sie startet in einem Stall.

Während also in den 1970ern Steve Jobs und Steve Wozniak in einer Garage in Kalifornien daran basteln und schrauben, das Gesicht dieser Welt zu verändern, gründen auch Georg Frener und Franz Reifer im weit entfernten Südtirol ein Unternehmen. Unter dem Namen Frener & Reifer macht es sich bald schon als innovativer Hersteller von Glas- und Stahlfassaden einen Namen – weit über die Stadt, weit über das Land hinaus. Frener & Reifer arbeiten heute mit den besten Architekten der Welt und da treffen sich unsere beiden Gründungsgeschichten auch. Denn für Apple fertigen die Südtiroler eine ganze Reihe jener Glastreppen, die mittlerweile zu Markenzeichen der Apples Stores geworden sind. Nicht nur, übrigens, denn von Frener & Reifer kommt auch eines der Herzstücke des neuen Headquarters, des Apple Park in Cupertino: ein sechs Meter hoher Glaszylinder mit einem Durchmesser von 50 Metern und einem Karbondach, unter dem das „kleine“ Apple-Auditorium mit 1000 Sitzplätzen Platz findet.

„Georg und Franz sind das Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn sich ein Visionär und ein ‚pragmatischer Kreativer‘ zusammentun, ein Mann also, der es schafft, die Vorstellungen der Stahl- und Glaskünstler in die Praxis umzusetzen“, sagt Michael Reifer, Sohn von Franz und heute Ingenieur sowie Innovation Manager bei Frener & Reifer. Er erzählt, dass sich die beiden Gründer in München getroffen hätten, wo sie beide die deutsche Wirtschaftswelt kennenlernen wollten. Sie seien dort zum Schluss gekommen, dass sie ihr gemeinsames Projekt daheim, in Südtirol also, verwirklichen wollten: „Dies, weil es nur hier diese einzigartige Kombination aus Handwerk und Exzellenz gibt, auf der die beiden ihr Unternehmen aufbauen wollten“, so Reifer.

„Scheitern ist die Grundlage des Erfolges“

Was heute klingt, wie ein unaufhaltsamer Weg nach oben, ist anfangs steinig. Zwei Jahre nach der Gründung 1974 etwa folgt der erste harte Rückschlag, als das Betriebsgebäude in Flammen aufgeht. „Man hat damals – mit Ausnahme von zwei Maschinen – buchstäblich alles verloren“, so Reifer, „es war wie ein Beginn bei null“. Werkshallen mussten angemietet, Vertrauen zurückgewonnen, Kunden bei der Stange gehalten und nicht zuletzt die Motivation hochgehalten werden: „Die beiden haben sich das Motto vieler amerikanischer Firmen zu Eigen gemacht: Scheitern ist die Grundlage des Erfolges“, so der Innovation Manager, der auch den Hut vor der Innovationskraft der Gründer zieht: „Sie haben alle Veränderungen im Fassadensektor mitgemacht.“

Michael Reifer: „Wir wollen Handwerker bleiben.”

Nach dem Rückschlag Mitte der 1970er-Jahre und dem damit verbundenen Neuanfang erholt sich das Unternehmen relativ rasch, es wächst und wächst und übersiedelt deshalb 1981 ins Gewerbegebiet von Brixen. Dort steht am Ende des Jahrzehnts eine neuerliche Entscheidung über Wohl oder Wehe von Frener & Reifer an, strebt Ende der 1980er-/Anfang der 1990er-Jahre doch alles nach Standardisierung und Industrialisierung. Diesem Trend verweigert man sich bei Frener & Reifer: „Uns hat die Logik der Standardisierung nie gefallen, wir wollten immer – und wollen noch – Handwerker bleiben“, erklärt Reifer.

Handwerker mit einem Blick nach vorn, denn auch als es heftige Kritik an den ersten Aluminium-Fassaden gibt, bleibt man dabei – und hat Erfolg. So bekommen die Brixner 1996 den Auftrag, am italienischen Sitz von BMW mitzubauen, der die Handschrift des Tokioter Stararchitekten Kenzo Tange trägt. 15 Monate ist man damals allein mit der Montage von 3600 Quadratmetern Stahl- und Glasfassade sowie mit dem Aufbringen einer schmutzabweisenden Spezialschicht beschäftigt. Es ist ein Auftrag, der Frener & Reifer in eine neue Liga katapultiert: in jene, in der es gilt, die Träume von Visionären, Künstlern und Architekten in aller Welt umzusetzen.

Und so pflastern seither berühmte Gebäude berühmter Architekten den Weg von Frener & Reifer: das Investcorp Building in Oxford von Zaha Hadid, die Meraner Thermen von Matteo Thun, der Pavillon der Foundation Foster in Madrid, die „Dives in Misericordia“-Kirche in Rom des New Yorker Architekturbüros Richard Meyer & Partners beispielsweise. Oder eben die Apple-Store-Treppen (von denen eine im Eingangsbereich von Frener & Reifer in Brixen steht) und das Steve Jobs Theatre. „Die Welt ist unser Markt und gerade deshalb hält uns alles hier im Herzen von Südtirol“, sagt Reifer, der betont, dass dies nicht als Widerspruch zu sehen sei: „Wir haben uns zu Erfüllern von Träumen entwickelt, auch weil dieses Land imstande ist, stetig außergewöhnliche Handwerker hervorzubringen.“ Klar sei, dass man auf diesem Niveau darauf angewiesen sei, sich ständig weiterzuentwickeln, um auf Märkten in Asien oder den Vereinigten Staaten mithalten zu können. „Deshalb legen wir auch so großen Wert auf die Ausbildung, die wir gemeinsam mit den Bildungsinstitutionen hier in Südtirol angehen“, so der Innovation Manager bei Frener & Reifer. Das Ziel ist dabei klar: „Wir wollen neue Chancen für künftige Generationen schaffen.“

© Mark Mathosian (1)

 

Fact Sheet

Steckbrief Frener & Reifer

Entwicklung

1974    Gründungsjahr
1976    Ein Brand zerstört den ersten Firmensitz, einen umgebauten Stall. Nur zwei Maschinen überstehen das Feuer.
1981    Übersiedlung ins Gewerbegebiet von Brixen
2006    Bau des neuen (und aktuellen) Firmensitzes

 

Firmenstruktur

Das Unternehmen hat über 150 feste Mitarbeiter, zu denen sich für spezielle Aufträge angeworbene Monteure gesellen. Frener & Reifer unterhält Niederlassungen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und den USA. 2016 verzeichnet man einen Produktionswert von 73 Millionen Euro, was einer Zuwachsrate von 55 % im Vergleich zu 2015 entspricht. Frener & Reifer ist eines der wenigen Unternehmen, das imstande ist, „dynamische Fassaden“ zu errichten. Sie sind mit Motoren ausgestattet, die es ermöglichen, die Glasteile der Fassade zu bewegen und so die Fassade zu verändern.

Auszeichnungen

Die letzten Auszeichnungen fährt Frener & Reifer in London und Paris ein. Für das Sainsbury Wellcome Centre gewinnt man den „British Construction Industry Award“, den wohl renommiertesten Preis im britischen Bausektor, sowie zwei „Leaf Awards“ in den Kategorien „Overall Winner 2016“ und „Best Facade Design Engineering 2016“. In Paris heimst das Brixner Unternehmen dagegen mit der Silbermedaille in der Kategorie „Unternehmen“ die höchste Anerkennung der französischen „Académie d’Architecture“ ein, und zwar für die Verkleidung der „Fondation Jérôme Seydoux-Pathé“.