Innovationen

27 Juli 2017IDM

E-Commerce und neue Märkte: Südtirols Export schaltet einen Gang höher

Ein Plus von 60 Prozent in acht Jahren hat Südtirols Export erlebt. Damit dieser Trend beibehalten werden kann, setzt man auf neue Märkte und eine Partnerschaft, die Landeshauptmann Arno Kompatscher und Außenminister Angelino Alfano unterzeichnet haben.

China, Mexiko, Indien, USA: 13 Länder rund um den Globus hat man als Hoffnungsmärkte für Südtiroler Produkte ausfindig gemacht, damit die Exportkurve weiter steil nach oben zeigen kann. Schließlich ist dieser Trend eine Menge Geld wert, vor allem für Südtirols kleine und mittlere Unternehmen – 238 Millionen Euro allein für den Lebensmittelsektor in den beiden kommenden Jahren. Bekannt wurden diese Daten im Rahmen einer Tagung, die die staatliche Exportorganisation ICE in Bozen organisiert hatte. Mit dabei waren auch Landeshauptmann Kompatscher und Außenminister Alfano, die bei dieser Gelegenheit eine neue Partnerschaft auf den Weg gebracht haben. Sie ermöglicht es IDM Südtirol, zur Förderung des Exports auf das gesamte Netzwerk der italienischen Botschaften und Konsulate zurückzugreifen. 

KMU verstärkt einbinden

Diese Zusammenarbeit soll auch größere Sichtbarkeit nach sich ziehen. „Südtirol lebt von der Industrie, die zwar auf höchstem Niveau arbeitet, meist aber unsichtbar bleibt“, erklärte etwa Federico Giudiceandrea, Präsident des Unternehmerverbands, anlässlich der ICE-Tagung in Bozen. Die Industrie leiste einen größeren Beitrag zum Südtiroler BIP, als es etwa Tourismus und Landwirtschaft täten. „Und das Fundament, auf dem sie ruht, bildet der Export“, so Giudiceandrea, der auf den Exportzuwachs in den letzten Jahren hinwies – mitten in der Krise. „Wir können also durchaus noch zulegen, wenn wir es schaffen, die Zahl der exportierenden Unternehmen zu erhöhen“, erklärte er. Derzeit seien es gerade einmal 2500 auf eine Gesamtzahl von 40.000 Unternehmen im Land.

E-Commerce und neue Märkte

Neben einer größeren Zahl von Unternehmen, die ihren Blick über die Grenzen richten, sollen auch neue Märkte für Wachstum sorgen. Alessandra Lanza von Prometeia nannte Polen, die Tschechische Republik, Saudi-Arabien, China, Vietnam, Mexiko und Indien als neue Hoffnungsträger, dazu die bereits etablierten (aber noch ausbaufähigen) Beziehungen zu USA, Kanada, Südkorea, Deutschland, Frankreich oder Spanien. „Die Chancen sind vielfältig, wenn man es schafft, neu aufkommenden Protektionismus zu überwinden, die Möglichkeiten des E-Commerce zu nutzen und auf die Konsumenten von morgen zu achten: die Millennials und Post-Millenials“, so Lanza.

Bei alledem sollen den Südtiroler Unternehmen auch Regierungsstellen zur Hand gehen. „Das Außenministerium bietet institutionelle Unterstützung, stellt strategische Informationen aus sonst schwer zugänglichen Quellen bereit, knüpft Kontakte mit den nachfragenden Stellen in den verschiedenen Ländern, steht den Unternehmen in Streitfällen zur Seite, kann Eintrittshürden in die Märkte abbauen und kümmert sich auch um den Schutz geistigen Eigentums“, so Veronica Ferrucci vom italienischen Außenministerium. Dafür steht ein dichtes Netz an Botschaften (126), Konsulaten (80), ICE-Büros (79) und Außenstellen der italienischen Handelskammer (75) in aller Welt zur Verfügung. Auch die Schaufenster, die die Exportagentur ICE rund um den Globus für das „Made in Italy“ eröffnet, könnten von den Unternehmen genutzt werden. Und nicht zuletzt sorgen Exportversicherungen und -kredite für Sicherheit.

Unterstützung durch IDM

Die von Kompatscher und Alfano besiegelte Zusammenarbeit stärkt den neuen Kurs im Südtiroler Export auch auf institutioneller Ebene – zum Vorteil beider Seiten. „Der Export ist für unsere Wirtschaft von grundlegender Bedeutung“, betonte der Minister, der auf einen Handelsbilanz-Überschuss in Höhe von 51,5 Milliarden Euro im Jahr 2016 verwies. „Dies entspricht einem Zuwachs in Höhe von 9,7 Milliarden Euro und damit der höchsten Wachstumsrate der letzten zehn Jahre“, erklärte Alfano.

Ein Trend, der sich auch in der Südtiroler Wirtschaft bestätigt – mit einem Exportplus von 4,6 Prozent im ersten Quartal 2017 im Vergleich zum selben Zeitraum 2016. „Unser Ziel ist aber, den Export weiter zu forcieren und noch mehr Südtiroler Unternehmen Zugang zu neuen, internationalen Märkten zu eröffnen“, so Kompatscher. In diesem Zusammenhang sei auch die Entwicklung und der Ausbau des Dienstleistungsnetzes zu sehen, das den Unternehmen bei der Internationalisierung Hilfestellung biete. Genau diese Dienstleistungen fallen in die Zuständigkeit von IDM Südtirol, wo man alles daran setzt, die Internationalisierung der Südtiroler Unternehmen, allen voran der KMU noch weiter zu fördern. Dies auch dank der nun sich öffnenden Türen der Botschaften und Konsulate in aller Welt, dank Promotion-Events und B2B-Treffen und nicht zuletzt mit Hilfe der Teilnahme an Initiativen des Außenministeriums. Südtirols Unternehmen sollen schließlich auch von den Informationen profitieren, die über die diplomatischen Kanäle zusammenfließen.

Nach der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens haben sich Außenminister und Landeshauptmann ein Bild darüber verschafft, wie exportorientierte Unternehmen in Südtirol bereits heute arbeiten. Dafür hat man die Aushängeschilder Dr. Schär und Technoalpin besucht. Dr. Schär ist Weltmarktführer im Bereich glutenfreier Nahrungsmittel, zählt 1250 Mitarbeiter in neun Ländern und erwirtschaftet einen Umsatz von 335 Millionen Euro – fast 70 Prozent davon im Export. Technoalpin dagegen produziert Kunstschnee-Anlagen, stellt Maschinen zur Staubbekämpfung her und hat auch ferngesteuerte Turbinen für den Brandeinsatz im Sortiment. Das Unternehmen ist in nicht weniger als 80 Ländern präsent, hat einen Umsatz von 160 Millionen Euro und eine Exportquote von 85 Prozent.